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Microsoft Apps im Store unterliegen ... Microsoft. Oder: Warum es ein Glücksspiel ist, ob App’s im Store landen und dort auch bleiben

Mit Windows 8 wurde der Microsoft App-Store eingeführt. Es ist eine tolle Sache nun auch in Windows Apps zu suchen und per Mausklick zu installieren. Das Gleiche gilt auch für Software-Entwickler, die nun mit ihren Windows 8 Apps eine riesige Welt an potentiellen Kunden erschließen können.

Bye bye App

Um es vorab klar zu stellen: Wir sind wirklich Fan’s von Windows 8 Store Apps. Mit Begeisterung haben wir im letzten Jahr viele kleine und auch größere Apps für den Windows Store gebaut. Dabei ging es uns weder um Gewinnmaximierung noch um große Bekanntheit, sondern darum, frühzeitig in den neuen Windows-Technologien am Ball zu sein, Erfahrungen zu sammeln und damit unser Know-How in diesem Bereich aktuell zu halten. Mit mehr als 20 Apps im Store dürfte uns das auch gut gelungen sein.

Wir respektieren jegliches Namens- und Urheberrecht. Trademark’s und Copyright’s sind in unserer Welt unser täglicher Begleiter. Jeder der uns kennt weiß, dass wir Microsoft Technologien mit Begeisterung umsetzen.

Allerdings ist es aus Sicht eines App-Developers manchmal trotzdem nicht leicht, zu verstehen, warum eine eigene App aus dem Store entfernt wird. Davon handelt dieser Artikel.

The light side

Der Microsoft Stores ist eine tolle Plattform um eigene Software anzubieten. Wir, als Software-Entwickler, haben allerdings damit zu tun, unsere Apps für den Store zu programmieren und – das ist ein nicht zu unterschätzender Teil des Aufwandes – die eigene App entsprechend der Richtlinien des Stores zu bauen. Wenn alles klappt, ist die App im Store verfügbar. Zu mindestens für eine bestimmte Zeit…

Wie kommt eine App in den Store

Technisch gesehen eröffnet man ein Microsoft-Konto, registriert sich als Windows Developer und lädt das Paket und die Beschreibung in das appdev.microsoft.com-Portal. Hierauf folgt der Zertifizierungsprozeß. Ob eine App in den Store gelangt hängt aus unserer Erfahrung von zwei Faktoren ab:

a) Die App muss in Aussehen, Verhalten und Funktionalität den strengen Richtlinien von Microsoft entsprechen. Dazu wird die App auf verschiedenste Kriterien geprüft. Das macht Sinn und ist zu respektieren, schließlich soll die App den Qualitätskriterien einer Windows-App entsprechen.

b) Dem Tester. Dieser beurteilt, ob die App funktioniert, sich korrekt verhält, das richtige About und korrekt formulierte Datenschutzbedingungen usw. besitzt und den Richtlinien entspricht. Soweit auch ok. Der Satz “Maybe I just had a bad tester” wird öfters von Windows-Developern verwendet.

The dark side

Obige Schritte implizieren, dass es in vielen Fällen am Tester liegt, ob eine App genehmigt wird oder nicht. So zeigt es auch unsere Erfahrung mit unseren Apps.

Menschen neigen dazu, Dinge unterschiedlich wahrzunehmen und zu bewerten. Manchmal werden Apps nicht zugelassen. Man bessert (manchmal ein wenig und manchmal nicht) nach und dieselbe App wird beim nächstem Mal doch zugelassen. Nun gut, wir wissen von der menschlichen Komponente, im Guten wie im Schlechten.

Es kommt auch vor, dass eine App zugelassen wird, installiert wird und irgendwann einmal wird sie aus dem Store entfernt. Im Regelfall gibt es dazu auch eine Begründung, wie: man hat zu viele Apps mit einer ähnlichen Funktionalität in den Store gestellt und es sollte nur eine einzige App sein. Oder: die App verletzt irgendwelche Regeln, zum Beispiel Datenschutz- oder Namensregeln.

Die App wurde entfernt – was nun?

Das ist alles ok und verständlich – wenn man den Grund erfährt und diesen dann beseitigen kann, damit die App wieder (neuerlich) zertifiziert und in den Store aufgenommen werden kann.

Üblicherweise gibt es einen Report mit einem Hinweis auf das Problem. Wenn nicht, oder das Problem nicht ausreichend beschrieben wird, kann der Developer einen Case bei Microsoft eröffnen.

Neben einigen Problemen mit dem Entfernen von bereits zugelassenen Apps in der Vergangenheit haben wir derzeit ein für uns schwer verständliches Problem mit einer unserer App’s:

SharePoint Experts

Diese App haben wir seit Oktober 2012 im Store. Besser gesagt: Hatten sie im Store. Vor etwa drei Wochen wurde die App entfernt. Wir erhielten vom Windows Store-Team eine E-Mail:

"SharePoint Experts" für Windows 8 wurde am 01.07.2013 22:58 (UTC) aufgrund eines Verstoßes gegen die Windows Store-Nutzungsbedingungen aus dem Store entfernt.

Kein Hinweis, was denn – nach 9 Monaten Laufzeit – nicht passt. Oder wer dafür zuständig sein könnte. Nachdem wir dann einen Case bei Microsoft eröffnet hatten, erhielten wir die vermeintliche Ursache:

This message is to notify you that Microsoft has received a Content Infringement Complaint for your application, SharePoint Experts.

Aha. Also stimmt etwas mit dem Inhalt der App nicht?
SharePoint Experts ist eine RSS-Reader-App, die Blogposts von internationalen SharePoint MVPs sammelt, eine TagCloud erstellt und zum Lesen der Artikel verwendet wird. Diese App ist kostenlos von uns erstellt worden und unser Beitrag für die SharePoint Community. Sie enthält weder Werbung noch haben wir damit Geld verdient. Es ist einfach eine App von MVP’s für Anwender, die an Inhalten von SharePoint MVP’s interessiert sind.

Freundlicher Support

Man muss wirklich sagen: Microsoft ist bemüht. Wir haben eine ganz freundliche Ansprechpartnerin, die sich sehr kümmert und bemüht, uns zu unterstützen, die App wieder in den Store zu bekommen.

Anscheinend lag es dann doch nicht am Inhalt, sondern am Namen SharePoint.
Wir bekamen unter anderem die Auskunft:

Yes, you can use the word SharePoint as long as it is clear you are hosting information without infringing on the copyright and put a disclaimer that you are not Microsoft.

Also haben wir an allen erdenklichen Stellen in der App brav das Registered Trademark-Zeichen nach SharePoint® hinzugefügt und Hinweise “SharePoint is a registered trademark of Microsoft” hinzugefügt. Schön brav mit Links zu den Microsoft Trademarks und dass wir von atwork diese App programmiert haben. Auch alle Vorkommen eines kleinen SharePoint-Logos im Hintergrund wurden entfernt. Damit ganz klar ist, dass die App nichts direkt mit Microsoft zu tun hat - außer, dass es um das Microsoft Produkt SharePoint geht. 

Die App war damit aus unserer Sicht – bis auf den Titel - SharePoint-free. Bezieht man sich auf die Guidelines von Microsofthaben wir damit klar gestellt, dass SharePoint® ein registrierter Markenname von Microsoft ist. 

So hat es jedoch leider auch nicht funktioniert.

Die wahre Ursache

Um es kurz zu machen:
Es lag nicht am Inhalt der App, sondern an dem Namen “SharePoint” im App-Titel.

Nun wissen wir: Anscheinend dürfen wir den Namen “SharePoint” (trotz Guidelines, s.o.) nicht verwenden.

…according to our IP LCA folks the name still fails on trademark infringement.

Komisch nur, dass es viele viele weitere Apps (mehr als 60) im Windows Store gibt, die das anscheinend schon dürfen…???

Zum Beispiel ein Screenshot aus dem Store von heute:

image

Wird hier etwa mit unterschiedlichem Maßstab gemessen?

Wer jetzt glaubt, dass wir irgendwelche Regeln oder eine Unterstützung erhalten, was wir verwenden dürfen oder nicht, irrt.

Wir versuchten zu argumentieren, dass SharePoint MVP’s über SharePoint reden. Stimmt, der Titel enthält damit das Wort SharePoint. Nur fällt es uns derzeit schwer einen alternativen Namen anstelle von SharePoint – sorry, das Produkt, um das es dabei geht heißt so - zu finden. Also dürfen wir jetzt nach dem Try-and-error Prinzip Namen ausdenken, zur Genehmigung einreichen und hoffen, dass es irgendwann einmal passt.

“Neuigkeiten von MVP’s zu einer sehr bekannten Zusammenarbeitsplattform eines renommierten Redmonder Softwareherstellers” klingt halt auch nicht besonders prickelnd.

Vielleicht funktioniert “Microsoft SharePoint® Experts”?
Oder “MVP-Blognews about Collaboration”??

Wer Ideen zu einem neuen App Namen (ohne SharePoint) hat – gerne!

Verschärfte Regeln

Ein ähnliches Problem hatte unser MVP-Kollege Martin Geuß mit seiner Dr. Windows-App im Store. Hier war das Windows-Logo enthalten. Nachdem das Logo durch ein anderes ersetzt war, ist die App wieder im Store – das ging auch recht rasch, siehe Comeback: DrWindows-App jetzt wieder frei im Windows Store verfügbar

Martin hat an dieser Stelle großes Glück gehabt: Windows ist zwar auch ein registrierter Markenname von Microsoft, jedoch kein "Kunstname” sondern ein gängiger Begriff.
Zudem hatte er Unterstützung von Microsoft Deutschland.

Leider sind wir noch nicht so weit… Try & Error war es bis jetzt – aufgrund der Ursachenforschung.
Wir haben alle möglichen Darstellungen, die rechtliche Probleme aufwerfen könnten entfernt.
Derzeit warten wir auf Feedback aus dem Legal Team (spannend, der Support hat uns einen Kontakt mit einer gmail-Adresse genannt…).

Um es klarzustellen: Windows darf man anscheinend verwenden. SharePoint nicht.

Viele Kochrezepte, Taschenlampen und Wikipedia Artikel dürfen zu Apps werden.
Apps, die die Community unterstützen: nein – weil sie nicht “richtig” heißen.

Wie ist es übrigens mit Microsoft-Produktnamen wie Office 365, Office, SQL Server, .Net, … etc.?

image

Unklar. Aus den General Microsoft Trademark Guidelines geht dies aus unserer Sicht nicht hervor.

Microsoft verschärft generell die Regeln für Apps im Microsoft Store, siehe auch heise.de: Microsoft:Schärfere Sicherheitsrichtlinien für Store-Apps.
Anscheinend geht Microsoft aktuell gegen die Verwendung von Produktnamen und Produktlogos im Microsoft Store vor.

Soll sein. Für App-Hersteller wie uns wäre es fein, wenn es den Hinweis auf die tatsächliche Ursache geben würde. Und wenn wir Unterstützung erhalten könnten, was - oder was nicht - aus Sicht von Microsoft verwendet werden darf.

Fazit

Natürlich ist es ärgerlich, sich über längere Zeit und viele E-Mails an das vermeintliche Problem anzunähern. Auch viele “It’s not my problem” Antworten haben uns bisher enttäuscht. Gefreut hat uns aber jede Hilfe, die wir von Leuten bekommen haben, deren Intention die Unterstützung von MVP’s und deren kostenloser Community Arbeit ist.

Recht neutral formuliert sieht es für uns so aus:

  • Eine App mit erfolgreicher Store-Zertifizierung ist kein Garant dafür, dass die (genehmigte) App im Windows Store bleibt.
  • Wenn eine App aus dem Store entfernt wird, muss man sich darum kümmern – und einen Case bei Microsoft öffnen, um die Ursache herauszufinden.
  • Den bzw. einen richtigen Ansprechpartner zu finden ist schwer.
  • Hinweise vom Support-Team bedeuten nicht, dass es dann mit der Genehmigung funktioniert.
  • Auch das Beachten der General Microsoft Trademark Guidelines stellt nicht sicher, dass die App rechtlich passt.
  • Try & Error scheint der einzige Weg zu sein, eine entfernte App wieder in den Store zu bekommen.
  • Der Aufwand dafür ist beträchtlich.

Microsoft könnte diesen Prozess sicher besser lösen.
Wie sagt man so schön? “There´s room for improvement.”

Mal sehen, ob es diese App wieder zurück in den Store schafft. Unsere Intention der App war jedenfalls eine andere – wir wollten Leser für ein Microsoft Produkt begeistern.

Martina Grom & Toni Pohl

  • uyjGc

    11/28/2015 5:27:49 PM |

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